In Komsomolsk wohnen wir wieder mal im obersten Stockwerk eines Hauses ohne Lift! Andi ist inzwischen gewohnt, zweimal mit dem ganzen Gepäck hinaufzulaufen und wundert sich schon gar nicht mehr, warum wir nicht auch mal im 1. oder 2. Stock wohnen können... Unsere Gastwirtin heisst Erika und sie bewohnt mit ihrem Vater eine sehr schöne, geräumige Altbauwohnung mitten im Stadtzentrum. Wir bekommen ein riesiges Zimmer ganz für uns alleine und ein Willkommensfrühstück.
Nach einer kleinen Ruhepause machen wir uns auf, um das Regionalmuseum zu besuchen. Es ist interessant, aber bei weitem nicht so spektakulär, wie das im Reiseführer beschrieben steht. Man sieht die Geschichte der Stadt vom Beginn bis heute, die Produkte, welche hier hergestellt werden, usw. Danach versuchen wir lange vergeblich, das Militärmuseum zu finden, welches sich gem. Reiseführer gleich daneben befinden soll. Wie sich später herausstellt, war auch das wieder eine Fehlinformation unseres Buches und das Museum hat es mindestens in den letzten 10 Jahren nie gegeben!
Ein paar Meter weiter erreichen wir nun zu Fuss den Amur. Das offizielle Ende der BAM - der Bahn, welche den Baikalsee mit dem Amur verbindet. Wir haben es geschafft und sind mit Anja im Fernen Osten angekommen! Ein gutes Gefühl, hatte ich doch in Novosibirsk noch ans Umkehren gedacht. Nun hatten wir uns schon sehr gut eingelebt und es auch mit dem Baby so gut im Griff, dass wir ohne weiteres noch lange weiterreisen könnten. Wir kannten wieder die wichtigsten Wörter und Begriffe auf russisch, konnten alles lesen, wussten, wie viel man einem Taxifahrer zur heutigen Zeit bezahlen soll und was nicht, und so weiter. Und nun waren wir am Amur, dem riesigen Strom, der auf einer Länge von 2000 Kilometern die Grenze zu China bildet und mit seiner gesamten Länge von 2824 Kilometern einer der mächtigsten Flüsse Sibiriens ist. Die Ökoregion am Amur gehört zu den unberührtesten Gegenden der Erde und hier lebt auch noch der Amur-Tiger, von dem es nur noch wenige Tiere gibt.