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Mongolia - The Great Adventure

(07.10.2002)

 

Wir haben es geschafft und den grössten Teil unseres Mongolei-Abenteuers unbeschadet überstanden! Soeben sind wir in die Hauptstadt zurückgekehrt, von wo aus wir noch einige weitere Abstecher unternehmen werden. Aber beginnen wir doch von vorne:

 

Nach einem äusserst langweiligen Grenzübertritt von Russland in die Mongolei (wir standen fast den ganzen Tag mit dem Zug auf dem Abstellgleis, keine Toilette, die Hälfte der Zeit kein Zutritt zur Raucher-Ecke...), sind wir am 28. September frühmorgens in Ulan Bator angekommen. Bereits schon während Zugfahrt haben wir gemerkt, dass dies eine ganz andere, fremde Welt ist. Absolut nicht zu vergleichen mit Russland, obwohl der landschaftliche Übergang eigentlich fliessend von sich geht. Schon auf den ersten Zug-Kilometern tauchen vereinzelt Jurten vor uns auf, und auch mitten in der Hauptstadt sind sie zwischen den grossen Hochhäusern zu finden und keine Seltenheit. Das Chaos am Bahnhof ist beängstigend und wir sind froh, dass uns die Leute von Ecotravel dort in Empfang nehmen. Alleine wären wir wohl etwas verloren gewesen in diesem Gerangel. Den ersten Tag in Ulan Bator nutzen wir denn auch, uns ein wenig einzugewöhnen. Wir wohnen in einem hübschen Appartement im Stadtzentrum und werden zum Mittagessen von unserem Tour-Operator abgeholt. Nach einem kleinen Stadtrundgang und der Besprechung unserer Tour treffen wir unseren Koch, der für die nächsten Tage für unsere Verpflegung sorgen wird. Zusammen gehen wir zum Markt, um die Lebensmittel einzukaufen. Schon dies ist ziemlich abenteuerlich. Gibt es zwar einige Marktstände mit sehr vielen westlichen Waren, werden jedoch in einem anderen Teil des Marktes riesige Fleischstücke einfach so auf einer Theke präsentiert. Nach einiger Zeit haben wir die Lebensmittel für die Tour bereitgestellt und machen uns daran, unsere persönlichen Sachen zu packen.

 

Unser Team v. l. n. r.:Amara, unser Übersetzer;Baasanjav, unser Koch,Nicole, Altangerel, unser Chauffeur und Andi
unser Fahrzeug für die Tour, ein robuster russischer Jeep

Pünktlich am nächsten Morgen um 8.30 Uhr steht der russische Jeep mit Fahrer, Koch und Führer vor unserem Appartement bereit. Der Innenraum wird bis auf den letzten Zentimeter genutzt, um all das Gepäck von uns fünf Leuten unterzubringen. Dann geht es los. Nach etwa einer halben Stunde haben wir Ulan Bator verlassen und fahren durch weite trockene Steppenlandschaft. Bald ist die Teerstrasse zu Ende und es geht nur noch auf harten, staubigen Pisten weiter in den Süden. Bis nach Dalanzadgad, dem Ausgangspunkt für die Gobi-Wüste, sind es rund 520 Kilometer. Wir teilen die Strecke in zwei Etappen und übernachten unterwegs an einem hübschen kleinen See, an dem auch ein paar Pferde weiden. Unser Lager ist in kurzer Zeit sehr professionell aufgebaut. Wir haben zwei Zelte dabei und allerlei Kochutensilien, womit der Koch uns immer wieder neue Kreationen seiner nahrhaften Menüs zubereitet.

 

Mitten in der Nacht werden wir unsanft geweckt, als ein heftiger Sturm aufzieht und unser Zelt wegzureissen droht. Mit über 100 km/h fegt der Sandsturm über uns hinweg und wir versuchen zu retten, was noch zu retten ist. Schlaf ist keiner mehr zu finden und wir sind froh, als es endlich hell wird und wir die Nacht überstanden haben.

 

Auch den ganzen Tag über hört der Sturm nicht auf. Wir sind schon in der Halbwüste, und der Sand beeinträchtigt unsere Sicht erheblich. An Zelten ist heute gar nicht zu denken und wir entscheiden uns, uns in einem Jurten-Camp am Rande des Gurvan Saykhan-Nationalparks in Sicherheit zu bringen. Endlich können wir hier auch eine Jurte von Innen sehen und sogar darin schlafen. Sie ist sehr gemütlich eingerichtet und der traditionelle Holzofen heizt so stark, dass wir im T-Shirt herumlaufen können, obwohl es draussen in der Nacht schon empfindlich kühl geworden ist.

 

Am nächsten Tag steht unser erstes Highlight bevor: wir fahren in den Gurvan Saykhan-Nationalpark, der ein Stück der Gobi unter Schutz stellt. Hier gibt es eine Schlucht, welche die meiste Zeit des Jahres mit Eis bedeckt ist. Die Landschaft ist atemberaubend, links und rechts ragen zerklüftete Berge gen Himmel empor, in der Mitte führt eine schmale Piste weit hinein in das wunderbare Tal. Ab und zu treffen wir wieder auf Nomaden und unsere Begleiter informieren sich über den aktuellen Pistenzustand. Das letzte Stück gehen wir zu Fuss. Tatsächlich finden wir noch ein paar Eiszapfen mitten in der Wüste.

 

Im Innern "unserer" Jurte
Gurvan Saykhan-Nationalpark

Wir übernachten wieder im Zelt, ausserhalb des Parks mitten in der Wüste. Der Sternenhimmel ist gewaltig, wir schlafen direkt unter der Milchstrasse. Am nächsten Tag besuchen wir eine Nomadenfamilie, die in dem Gebiet lebt, indem die grössten Dinosaurierfunde gemacht wurden. Wir stationieren uns bei ihnen und unternehmen von hier aus einige Ausflüge. So erfahren wir auch recht viel über das Nomadenleben und sind beeindruckt, wie sie das meistern. Am Abend dürfen wir dabeisein, wie die Kamelherde am Brunnen mit Wasser versorgt wird und reiten schliesslich mit drei Kamelen zur Jurte zurück.

Der nächste Tag beschert uns schon wieder einen Sandsturm, diesmal ist die Sicht jedoch so schlecht, dass wir in einem kleinen Dorf mitten in der Wüste anhalten und Schutz in einem Steinhaus bei einer Familie suchen müssen. Der Sturm hört nicht auf und wir müssen unbedingt weiter. Vorsichtig suchen wir unseren Weg. Man sieht kaum einen Meter weit. Erst gegen Abend und einige Kilometer weiter nördlich bessert sich die Lage. Allerdings ziehen dunkle, riesige Wolken am Himmel auf und ein Nomade warnt unsere Führer vor einem aufziehenden Schneesturm, der heute nacht über das Land hinwegziehen soll. Aus diesem Grund wollen sie probieren, zwei Tagesetappen in einer unterzubringen und nach Möglichkeit direkt bis Karakorum durchzufahren. Dies würde allerdings wohl bis Mitternacht dauern, und kaum ist die Sonne untergegangen, wird die Orientierung fast unmöglich. Man verbraucht viel zu viel Zeit, die richtige Piste zu finden und es ist auch viel zu gefährlich. Dennoch müssen wir noch weiter. Gegen 21 Uhr entscheiden wir uns, bei der nächsten Familie um Unterkunft zu bitten. An einer Strassenkreuzung treffen wir auf ein paar Jurten, welche schon etwas moderner sogar mit TV ausgestattet sind. Die Familie gewährt uns Unterkunft und wir sind gottenfroh darüber, denn inzwischen hat der Schneesturm bereits eingesetzt. Die Familie serviert uns sogar ein reichhaltiges Nachtessen und endlich können wir uns zum Schlafen hinlegen. Es ist bitterkalt, freiwillig geht niemand mehr nach draussen. Am nächsten Morgen ist das ganze Land unter einer dicken Eis- und Schneeschicht bedeckt, es hat rund minus 15 Grad und der Fahrer musste jede Stunde den Motor des Autos anlassen, damit nicht alles einfriert. Ein Reifen hat aber trotzdem die Luft verloren und nun muss in diesen Temperaturen noch das Rad gewechselt werden. Die Tiere ziehen mit eingefrorenen Fellen und Eiszäpfen an den Haaren durch das weisse Land und versuchen, ein paar Gräser unter dem Eis auszugraben. Wir sind froh um unsere dicksten Kleider, die uns ganz knapp genügend zu wärmen vermögen. Schlimm ist allerdings die Weiterfahrt nach Karakorum. Sie führt über hohe Berge und ein Plateau mit einer komplett zugeschneiten und vereisten Piste. Zweimal kommen wir von der Strasse ab, der Wagen rutscht den Berg hinunter. Ich habe mich unter meiner Jacke vergraben und kann nur noch beten, dass wir das überleben. Unterwegs treffen wir zwei Frauen, die letzte Nacht mitten in der Eiswüste eine Panne erlitten haben und hier draussen übernachten mussten. Ab und zu gibt es noch Jurten. Autos fahren kaum mehr, es ist einfach zu gefährlich. Auch die Teerstrasse zwischen Karakorum und Ulan Bator ist blockiert. Nichts geht mehr. Uns bleibt also nichts anderes übrig, als Karakorum zu erreichen und eine Unterkunft zu suchen, evt. müssen wir sogar länger bleiben, bis die Strasse wieder frei ist. Nach vier Stunden Horrorfahrt erreichen wir ein Camp, das eigentlich schon geschlossen ist. Um diese Jahreszeit gibt es hier keine Touristen mehr. Doch für uns machen sie eine Ausnahme und wir können in eine warme Jurte flüchten. Alle sind froh, dass wir das überstanden haben.

Abenteuerliche Fahrt durch die Eiswüste
Kloster Erdene Zuu, Karakorum

Das berühmte Kloster Erdene Zuu ist auch nur in Grautöne gehüllt und nur die Innenräume lohnen sich heute anzusehen. Trotzdem unternehmen wir noch diesen und jenen Abstecher, bevor wir ins Camp zurückkehren. In der Nacht verziehen sich die Wolken und der wunderbare Sternenhimmel kommt wieder hervor und gibt uns ein wenig Hoffnung für den kommenden Tag. Tatsächlich scheint am letzten Tag die Sonne und gegen Mittag beginnt das Eis ein wenig zu tauen. Wir können die 390 Kilometer lange Rückfahrt antreten. Der grösste Teil der Strasse ist schneefrei, nur ab und zu ist sie mit dickem Matsch bedeckt. Ein weiteres Mal schleudert unser Auto und wir fahren in den Graben. Die Geländereifen sind einfach nicht für den tiefen eisigen Schnee gemacht. Unserem Fahrer wollen wir trotzdem ein Lob aussprechen, er hat all diese schwierigen Situationen mit viel Geduld und Feingefühl gemeistert und uns sicher und wohlbehalten nach Ulan Bator zurückgebracht. Alle sind glücklich, dass wir das Abenteuer unbeschadet überstanden haben. Wir sehen inzwischen aus wie die letzten Menschen, voller Sand und Schmutz und sind froh, uns endlich mal wieder richtig waschen zu können. Dennoch würden wir sofort wieder mit diesem Team losziehen, um neue Abenteuer zu erleben - es war ganz einfach genial!

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