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Asien pur - die letzte Etappe

(24.10.2002)

 

Nach einem mehrtägigen Aufenthalt in Ulan Bator heisst es definitiv Abschied zu nehmen von der Mongolei. Während unserer letzten Zugfahrt mit der Transmongolischen Eisenbahn nach Peking ziehen noch einmal die endlosen Steppen- und Wüstenlandschaften dieses eindrücklichen Landes an uns vorbei. Dann tauchen wir ein in eine andere Welt, Asien wie aus dem Bilderbuch kommt nun zum Vorschein. Im Norden Chinas gibt es noch viele kleine Dörfer, unzählige Felder, auf denen die Menschen mit der Ernte beschäftigt sind, und auch viele Berge. Riesig ist der Unterschied, wie nun plötzlich alles grün ist, im Gegensatz zur Mongolei, wo Brauntöne vorherrschten. Ab und zu taucht auch ein Stück der Grossen Mauer vor unserem Zugfenster auf, und bei Badaling, wo die meisten Touristen hinfahren, läuft die Zuglinie sehr nahe an dem Weltwunder vorbei.

 

Dann stehen wir mitten in Peking, mit Sack und Pack und nun ohne Transfer oder sonstigem Komfort. Wir haben trotz ortskundigem Taxichauffeur die grösste Mühe, unser Hotel zu finden. Er lädt uns mitten in der belebtesten Altstadt aus und jeder, den wir fragen, weist uns in eine andere Richtung. Nach rund einer Stunde herumirren wollen wir schon aufgeben und ein anderes Zimmer suchen, als uns ein freundlicher junger Chinese beteuert, er kenne das Hotel und bringe uns hin. Tatsächlich klappt es nun endlich und völlig entkräftet von dem ganzen Geschleppe erreichen wir endlich unsere Unterkunft, genau am anderen Ende der Strasse. Ohne Gepäck lässt sich diese wirklich geniessen, es ist unglaublich, was es hier alles zu sehen gibt. Wir können uns gar nicht satt sehen an der Exotik, die uns hier geboten wird. In jedem Winkel, und sei er auch noch so klein, ist irgendein Geschäft untergebracht. Es wird alles verkauft, was man sich überhaupt nur vorstellen kann. Angefangen von Lebensmitteln über Kleider bis zu gegrillten Entenköpfen, blinkendem und piepsendem Spielzeug, Räucherstäbchen, Teekräuter, Fahrräder und Zubehör, und vieles mehr. An jeder Ecke wirbt ein Restaurant für seine Speisen. Viele Geschäfte sind durch die hübschen roten chinesischen Laternen verziert, die die ganze Gasse in ein romantisches Licht tauchen. Überall raucht und riecht es, Menschenmassen und Velofahrer mit dem halben Hausrat dabei wechseln sich ab. Es ist unmöglich, das alles auf einmal mit dem Auge und dem Verstand zu erfassen. Wir lassen uns mitreissen von dem bunten Treiben und stehen irgendwann einmal bereits auf dem Tjanmen-Platz, dem Platz des Himmlischen Friedens. Er ist der grösste Platz der Welt und hat eine langjährige Geschichte. Wir sind überwältigt von all den Eindrücken, die uns die Stadt in so kurzer Zeit bietet.

 

Am nächsten Tag wollen wir die Grosse Mauer besteigen und die Ming-Gräber besuchen und entscheiden uns für eine Bustour, die von unserem Hotel aus startet. Dadurch können wir Zeit sparen, denken wir jedenfalls. Doch es war die falsche Entscheidung. Bei der Mauer hält es sich mit der Zeit und den Touristen noch in Grenzen (da wir auf der rechten Seite hochgehen, denn links ist es schlimmer als in einem Ameisenhaufen), aber als wir erfahren müssen, dass wir anstatt die Steinfiguren bei den Ming-Gräbern eine Apotheke besuchen, welche den Touristen Pillen verkauft, und auch am Morgen schon in einer Jade-Fabrik Zeit verloren haben, wird es uns doch zu bunt. Auch den anderen Individualtouristen, die die gleiche Entscheidung wie wir getroffen haben, ist es langsam zu blöd. Aber wir haben keine andere Wahl, wenn wir überhaupt noch etwas von den Gräbern sehen wollen, müssen wir mit zum Dingling Grab, genau demjenigen der insgesamt etwa 14 Gräbern, welches von Touristen am meisten frequentiert wird. Noch nie in unserem Leben haben wir so ein Gedränge und ein Chaos gesehen, für Leute mit Platzangst wohl definitiv der Alptraum und für Individualisten auch, wenn man ständig einem Typ mit einer Fahne nachlaufen muss, der dafür sorgt, dass eine Gruppe beisammen bleibt. Diesen Tag hätte ich am liebsten aus meinem Gedächtnis gestrichen, so genervt war ich am Schluss. Da war der letzte Tag in Peking schon etwas besser, wo wir wieder auf eigene Faust den Himmelstempel und die Verbotene Stadt besuchten. Aber es sei trotzdem niemandem angeraten, während der Hauptreisezeit im Oktober hierher zu kommen, es sei denn, er möchte von Touristen nur so überrannt werden und für alles viel zu hohe Preise zu bezahlen. Das Tüpfchen auf dem i machte dann noch die Mitteilung, dass es mit der Buchung unserer Zugtickets nach Shanghai nicht geklappt habe und wir nicht wie geplant weiterreisen können, da alles restlos ausverkauft sei. Höchstens Stehplätze für die 15stündige Fahrt wären noch zu haben. Wir setzen alles in Bewegung und schaffen es mit Hilfe einer deutschsprachigen Frau von einem Reisebüro, ein Bett im Nachtbus zu erwischen, was eigentlich gar nicht schlecht tönte. Wir waren wohl einfach etwas zu ungeduldig und hatten zu viele schlechte Erfahrungen gemacht, so ärgerte es uns auch, dass der Bus etwa mit drei Stunden Verspätung in Shanghai ankam. D. h. anstatt um 10 Uhr morgens erst am Nachmittag. Und da wir so kurzfristig Tickets bekommen hatten, hatten wir nicht gerade die besten Plätze. Man konnte wirklich nur liegen und das Bett hatte vielleicht eine Breite von 60 Zentimetern. Völlig verkrüppelt erreichen wir Shanghai, eine äusserst moderne Stadt, wo es nun wenigstens mit dem Hotel reibungslos funktioniert. Auch die Schiffstickets bekommen wir problemlos und das Schiff legt pünktlich im Hafen von Shanghai ab, um nach Japan hinüber zu fahren. Wir haben eine schöne Kabine und das Schiff verfügt (ausgenommen Restaurant) über gute Möglichkeiten, sich die Zeit zu vertreiben. Die 48 Stunden vergehen wie im Fluge und die Überfahrt ist herrlich.

 

In Japan sind wir sofort wieder glücklich, ganz ein anderes Volk, ganz andere Begebenheiten. Obwohl es ziemlich teuer ist, bekommt man hier fürs Geld die entsprechende Leistung. Die Leute sind wahnsinnig freundlich und unternehmen alles, um einem zu helfen. Die Kultur ist wahnsinnig exotisch und interessant. Die öffentlichen Verkehrsmittel funktionieren einwandfrei und erlauben ein rasantes Fortbewegen. Bereits eine Stunde nach Verlassen des Schiffes in Osaka stehen wir in Kyoto im Hotel, viel zu früh, um einzuchecken! Das Gepäck können wir aber deponieren und fünf Minuten später befinden wir uns schon auf einer Rundfahrt durch die Stadt mit einem öffentlichen Bus. Wir besuchen viele verschiedene Tempel und Schreine, die wirklich eine besondere Atmosphäre ausstrahlen. Im Gegensatz zu der alten Kultur steht der neue Konsumrausch und die grellen, endlosen Einkaufsstrassen, in denen es viele schöne Güter zu erstehen gibt. Die Luft in der Stadt ist angenehm und überall gibt es grüne Oasen, Gärten der Ruhe und Erholung. Hier könnte man wohl wochenlang bleiben, ohne dass es einem verleiden würde. Alles ist herrlich angenehm.

Doch unsere Reise neigt sich leider langsam ihrem Ende entgegen und wir reisen weiter Richtung Tokyo. Unterwegs machen wir aber noch einen Abstecher in die Region um den Mount Fuji, den berühmtesten Berg Japans, der von schöner Landschaft und hübschen Ortschaften umgeben ist. In einem typisch japanischen Hotel kommen wir unter. Das Zimmer ist mit Strohmatten ausgelegt, in der Mitte gibt es nur einen Tisch, sonst nichts. Zum Schlafen legt man Matten auf den Fussboden. Im Haus gibt es ein Bad, das mit kochend heissem Wasser gefüllt ist und der Entspannung dient. Hier geniessen wir zum ersten Mal auch ein richtig reichhaltiges japanisches Nachtessen in einem hübschen kleinen Restaurant, das auch von Einheimischen stark frequentiert wird. Das Essen ist so speziell wie das Land und seine Bewohner, aber absolut einwandfrei.

 

Tokyo ist dann die Endstation unserer Reise auf dem Landweg nach Japan. Es empfängt uns mit Regenwetter, eigentlich genau dem richtigen, um die endlosen Shopping-Möglichkeiten voll auszuschöpfen! Es ist absolut unglaublich, was es hier alles zu kaufen gibt und man muss regelrecht aufpassen, nicht dem Kaufrausch zu verfallen. Ganze Stadtteile bieten Elektronikgeräte wie Computer, Digitalkameras und die neuesten Handys an. An anderen Orten kann man sich an Kleidern, Haushaltsartikel und Süssigkeiten gar nicht mehr sattsehen. Ein Highlight ist auf jeden Fall der Besuch des grössten Fischmarktes der Welt, der bereits morgens um 2 Uhr losgeht, wenn die Händler ihre Ware anliefern und für die tausenden von Kunden bereitstellen. Morgens um 5 Uhr stehen ganze Kolonnen von Lastwagen da, die den frischen Fang an Grosshändler verteilen. Auch wir stürzen uns mitten in das Gewühl aus zum Teil noch lebendigen Fischen und Meeresfrüchten, schauen hier und dort und müssen aufpassen, dass wir nirgends im Wege stehen, denn der ganze Handel geht mit enormer Geschwindigkeit von sich.

 

Wir besuchen noch all die verschiedenen interessanten Stadtteile mit ihren Sehenswürdigkeiten, bevor wir bei einem traditionellen japanischen Nachtessen langsam Abschied nehmen von diesem lieblichen Land und damit auch unserer Reise ein Ende bereiten.

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