Dann kommen wir nach Taishet und verlassen etwas wehmütig den Zug. Kaum haben wir uns von Katharina verabschiedet, erwartet uns Igor bereits am Bahnsteig. Wir fahren zu seinen Schwiegereltern, die in einem sehr gemütlichen kleinen Holzhäuschen mit Kachelofen leben. Zuerst wird nun die Banja eingeheizt, dann zeigt uns Igor, wie man sie richtig benutzt und behandelt uns mit den traditionellen Birkenzweigen. Neu geboren gibt es jetzt das Nachtessen und wir diskutieren noch bis spät in die Nacht.
Am nächsten Tag holt uns Gregori ab und lädt uns zu einem speziellen Abenteuer ein. Er will mit uns in die südlichen Dörfer fahren. Die Strasse sei aber sehr schlecht, da es vor ein paar Tagen geregnet hatte, ist alles vereist. Er werde langsam fahren und wir würden bis am Abend sehr müde sein. Ich bin nicht wirklich begeistert, denn ich habe paranoische Angst vor Autofahrten auf Schnee und Eis. Aber vielleicht ist dies ja gerade die richtige Therapie, wer weiss? Gregori ist schliesslich hier aufgewachsen, kennt nichts anderes und sein Auto hat immer noch keine Beule. Also fahren wir los.
Die Strasse ist wirklich katastrophal. Zwar sehr breit, aber nur blankes Eis. Ausser vereinzelt einem Holztransporter fährt kein Auto. Ich wundere mich immer mehr, dass man hier überhaupt fahren kann. Es grenzt fast an ein Wunder. Ab und zu schlittern wir ein wenig, doch Gregori hat das Fahrzeug fest im Griff. Wir kommen vorbei an einem kleinen Dorf ohne Strom, in dem nur noch 2 – 3 Familien leben, an ausgedienten Kolchosen, aber auch einem grösseren Dorf mit rund 800 Einwohnern, die sich aus ihrem eigenen Garten ernähren.
Die Strasse führt in steilen Serpentinen passähnlich in ein tiefes Tal hinunter und Gregori hat das nötige Feingefühl, die Kurven zu erreichen. Nach einiger Zeit zweigt von der Hauptstrasse eine mit viel Fantasie zu erkennende Fahrspur ab. Der Schnee ist mindestens kietief, doch wir zweigen tatsächlich auf diese Piste ab. Bei uns würde man hier nicht mal zu Fuss weitergehen. Der Wind hat den Schnee dünenartig über die Fahrspur gelegt. Der russische Geländewagen vermag diesen aber wieder zusammenzudrücken. Gut ist einfach, dass Gregori jede Wurzel und jeden Stein kennt, der sich darunter verbirgt. Wir müssen uns inzwischen mit beiden Händen festhalten, das Auto stösst den Schnee vor sich her. Mitten drin halten wir an und trinken heissen Tee!
Dann treffen wir auf eine Waldhütte, die äusserst romantisch gelegen ist. Gregori besorgt sich Angelzeugs und einen Eisbohrer. Die Piste, die nach der Hütte kommt, kann man gar nicht mehr beschreiben! Im Sommer unpassierbarer Sumpf, im Winter als fahrtechnisches Kunststück eine Herausforderung. Manchmal schimpft aber auch Gregori und der Geländewagen kämpft sich mit letzter Kraft hindurch.
Dann sind wir da: an einem wunderschönen Picknickplatz am zugefrorenen Tagul-Fluss. Igor muss den Tisch zuerst mit der Schaufel befreien, wir sammeln Holz und machen ein Feuer. Aus Schnee wird Tee gekocht, danach gehen wir auf den Fluss und bohren ein Loch ins Eis. Mit etwas Brot gelingt es uns, drei kleinere Fische aus dem Fluss zu ziehen. Ein grosses Erlebnis für uns alle!