Wir wohnen bei einem pensionierten Ehepaar. Valentina und Vladimir leben in einem rund 200 jährigen Holzhaus nahe des Hafens. Durch die Zimmervermietung können sie ihre Rente ein wenig aufbessern. Als wir ankommen, treffen wir gerade noch kurz unsere Vorgänger an. Sie machen eine Mountain Bike Expedition über den Baikalsee bis nach Sewerobaikalsk. In 25 Tagen wollen sie die rund 600 Kilometer auf Eis und Schnee zurücklegen. Wir wünschen ihnen dazu viel Glück.
Unser Zimmer ist sehr klein, aber gemütlich. Wir dürfen auch das Wohnzimmer benützen, von wo aus man sogar auf den Baikalsee sehen kann. Am gemütlichsten ist es aber in der Küche, wo alle zusammen am grossen Tisch sitzen und Valentina fast den ganzen Tag über köstliche Leckereien auftischt. Neben dem alten Holzherd steht mittlerweile zwar auch schon ein Elektroofen, doch er vereinfacht nur einen kleinen Teil der anstrengenden sibirischen Lebens. Es gibt im Haus zum Beispiel kein fliessend Wasser. Dieses muss aus Eisbrunnen mit Kübeln aus dem Baikalsee geschöpft und zum Haus getragen werden. Dort wird es in einen Metallbehälter gefüllt, der mit einem Stöpsel versehen ist. Diesen drückt man hoch und bekommt fliessend Wasser, um die Hände zu waschen. Das Abwasser fliesst durch das Lavabo in einen Kübel, der wiederum von Hand geleert werden muss.
Richtig waschen kann man sich in der Banja. Dort steht ein Holzofen, der erst mal eingeheizt werden muss. Das Holz muss vorher natürlich herbeigeschafft und gespalten werden. In den Ofen gibt man Wasser, das durch das Feuer aufgekocht wird. Dieses kann man mit einem Wasserhahn in ein Becken lassen und es mit kaltem Wasser mischen und sich so duschen. Das Abwasser fliesst dann einfach durch Löcher im Boden ab. Um die Banja vorzubereiten, braucht Vladimir ganze zwei Stunden. Deshalb wird sie hier auch nur sparsam gebraucht.
Allerdings eignet sie sich auch zum Wäschewaschen. In grossen Zübern schrubbt man die Wäsche von Hand und kann sie anschliessend in der Banja zum Trocknen aufhängen. Eine elektronische Waschmaschine gibt es hier nicht. Die Leute sind den ganzen Tag mit dem Haushalt beschäftigt. Im Sommer kommt noch der Garten hinzu, der bestellt werden muss. Die geernteten Früchte und das Gemüse müssen dann so vorbereitet werden, dass es den ganzen Winter über ausreicht. Im Gang unter dem Teppich führt eine Falltüre in einen Raum, der als Vorratskeller dient. Hier unten ist es immer sehr kühl und Valentina hat kiloweise Kartoffeln und Karotten gelagert. Tomaten zum Beispiel werden eingekocht, Beeren zu Konfitüre verarbeitet oder gefroren aufbewahrt.
Im Winter werden in den Häusern ein zweites Paar Fenster eingesetzt. Sie isolieren vor der Kälte und können nicht geöffnet werden. Die Fugen werden mit Klebband, manchmal auch mit einem Brei aus Mehl und Wasser abgedichtet, der im Frühling dann wieder entfernt werden kann.
Nach vier Tagen verabschieden wir uns von Valentina und Vladimir und fahren mit dem Bus zurück nach Irkutsk und weiter nach Arshan, einem kleinen Kurort in den Bergen.