Mit viel Medikamente liess sich mein Zustand soweit stabilisieren, dass wir uns auf die 3stündige Busfahrt von Lijang nach Dali wagten. Ich hoffte vor allem, dass es mir auf etwas geringerer Höhe eher wieder besser gehen würde.


Unser Bus war sehr klein und flitzte über die Strassen, es wurde alles überholt was man überholen kann und ich musste wirklich erst mal leer schlucken und hoffen, dass die Fahrt gut ausgeht. Doch die Chinesen haben Routine und fahren die Strecke immer und immer wieder, zwar gibt es auch viele Unfälle, aber in den meisten Fällen geht die Fahrt glimpflich aus. Die Strecke führt durch herrliche Landschaft, durch Berge und fruchtbare Ebenen in denen die Bauern ihre Reisefelder bestellen.

Nach dem Mittag kommen wir in Dali an und steigen bei der Altstadt aus, in deren Nähe wir wohnen werden. Im Gästehaus werden wir schon erwartet und ich bin froh, die Reise soweit überstanden zu haben und nun noch Zeit zur Erholung zu haben.

Gegen Abend erkunden wir die Altstadt, deren Häuser alle mit wunderbaren Malereien verziert sind. Die Altstadt ist klein, die Fussgängerzone ein paar Hundert Meter lang, aber zusammen mit den drei Pagoden die als eines der Wahrzeichen Chinas gelten, macht Dali Lijiang ziemlich Konkurrenz. Wir selber können den Vergleich nicht nachvollziehen, hier herrscht ein ganz anderes Leben, ein anderes Volk, ein anderes Klima. Auf der Strasse können wir dem Zahnarzt bei der Arbeit zusehen, und gleich nebenan liegen Patienten mit Infusion in der 1.-Hilfe-Klinik. Ein paar Häuser weiter verkauft eine Frau neben Gemüse auch frischen Aal oder lebendige Kröten – hier treffen wir erstmals auf das China, von dem man immer hört.

Die Pagoden schauen wir nur von aussen an, da der Eintritt pro Person fast 20 CHF beträgt, eine Menge Geld das wirklich nicht nötig ist zum Ausgeben, denn die Bauten sind man von allen Seiten auch ausserhalb der Ummauerung.

Im Gästehaus treffen wir eine belgische Familie mit zwei Buben im Alter von 2.5 und 4.5 Jahren. Unsere Kinder sind happy und die vier toben den ganzen Tag rum. Die Belgier sind drei Monate unterwegs und waren mit den Kindern vier Wochen in Laos, abseits jeglicher medizinischer Versorgungsmöglichkeiten. Überhaupt dünkt mich, wir sehen immer mehr Leute mit Kindern reisen, ein positiver Aspekt, der mich sehr freut!

Am Abend verlassen wir Dali mit dem Zug nach Kunming. Der Bahnhof ist ein kleiner Albtraum, hier herrscht das Chaos pur. Endlich entdeckt uns die Bahnhofvorsteherin und geleitet uns zu einem separaten Eingang, natürlich nicht ganz uneigennütz, denn das ganze Personal will sich unsere Kinder ansehen. Dafür dürfen wir als erste zum Zug, der diesmal doppelstöckig ist. Ganz hübsch eingerichtet, aber doch eher unpraktisch, da aufgrund der Platzverhältnisse die Ablageflächen fehlen. Die Fahrt ist ebenfalls schrecklich, unser Abteil ist genau auf den Rädern und die Strecke ist extrem ruppig, so dass ich die halbe Nacht befürchte, aus dem oberen Bett zu fallen. Mein Magen und der ganze Zustand ist auch noch nicht in Ordnung, und die Rumpelfahrt nicht gerade das beste in dem Moment. So sind wir sehr froh, als wir am nächsten Morgen endlich in Kunming ankommen.