Die Fahrt im Minibus mit Alex nach Ürümqi ist spektakulär. Nie hätte ich solch eine tolle bergige Landschaft erwartet. Die Strasse ist in sehr gutem Zustand, und nur der heftige Wind hindert uns am raschen vorwärtskommen. Für die 180 Kilometer brauchen wir etwas über 3 Stunden. Ürümqi liegt in einer fruchtbaren Ebene, die Wüste haben wir nun hinter uns gelassen, und kaum ist sie fertig, ziehen dunkle Wolken auf und starker Regen setzt ein.


In Ürümqi wohnen wir im besten Hotel der Stadt, da es an sauberen günstigen Unterkünften mangelt. Unser Zimmer im Hotel Mirage ist im 19. Stock und hat alles, was das Herz begehrt. Die Kinder sind zufrieden, wieder etwas Platz zum Spielen zu haben. Am späten Nachmittag machen wir uns auf, um das Völkerkundemuseum zu besuchen, das uns Alex empfohlen hat. Doch als wir dort ankommen, lässt man uns nicht rein. Ein Telefon zu Alex und 5 Min. später steht der Manager am Tor und macht mit uns eine Spezialtour – aufgrund eines Museumstages ist heute wirklich geschlossen und nur wir und eine andere Schweizer Gruppe können die berühmten Mumien sehen, wovon die sogenannte „Loulan Beauty“, die schöne Frau, fast 4000 Jahre alt ist und man noch jedes Detail an ihr erkennen kann.

Beim Besuch auf dem Markt ist der Hauch des Orient deutlich zu spüren. Verschleierte Frauen, verschnörkelte Geschäfte und der Duft nach Gewürzen zieht durch die Luft. Gleichzeitig ist das ganze auch ein wenig unheimlich, da auf der Strasse viele unsympatische Gestalten lungern deren Blick sich von kaum mehr löst. Wir fallen unter diesen Menschen auf wie ein Elefant in Luzern, und es kommt gar nicht darauf an, was wir anziehen oder umhängen (Kamera), man sieht uns auf 1000 Meter Gegenwind mit unseren blonden Kindern. Die Stadt selber ist die Hauptstadt der autonomen Provinz Xingjang, und steht mit Peking nicht besonders gut, daher präsentiert sie sich wie von Gott vergessen. Nirgendwo sonst haben wir so viele zerfallene Häuser gesehen, soviel Schutt und Zerfall, und es wird wohl so sein, dass China das Geld für seine vollintegrierten Provinzen braucht um sie auf Hochglanz zu bringend, während Ürümqi leer ausgeht.

Das nächste Problem präsentiert sich am Flughafen. Alex kommt extra mit, damit sicher alles klappt wegen der Sprache. Doch schon beim Einchecken kapieren die Leute nicht, wie sie die Tickets für 2 Kinder und 2 Erwachsene in den Computer eingeben müssen und verwechseln alles. Es dauert über eine Stunde, bis sie das irgendwie richtigstellen können. Dann kommt die Sicherheitskontrolle. Wir sind von den strengen Richtlinien der Schweiz geprobt und packen nur wenig nötige medizinische Flüssigkeiten in das Handgepäck. Doch die lieben Leute von Ürümqi lassen das nicht durch, also muss es zurück zum Check-Inn und mit dem Gepäck aufgegeben werden. Das ginge ja noch, aber als sie mir das Antibiotika für die Kinder, das sich in Pulverform in verschweissten Dosen befindet, wegnehmen wollen, reisst mir die Geduld und ich werde das erste Mal laut in China. Es braucht endlose Diskussionen, was für ein Pulver das sei und wie man das einnehme, und ich müsse davon probieren, was ich natürlich nicht mache. Schlussendlich geben sie auf und die Antibiotika dürfen mit – für uns wäre es unvorstellbar, wenn dies verlorenginge. Es ging dann noch soweit, dass sie die leeren Schoppenfläschen beanstandeten, und als sie Andi das Feuerzeug wegnahmen, überlegte er ob er jemals wieder in China ein Flugzeug besteigen wolle. Wir brauchten also alles in allem etwa drei Stunden, bis wir beim Gate für unseren INLAND-Flug standen!!! Erst im Flieger trafen wir wieder normale Menschen und der Steward hiess uns freundlich willkommen und nahm den Kinderwagen ohne weitere Diskussionen in Empfang – wie sind wir froh, endlich von hier wegzukommen!!!