Guilin ist eine geschäftige Stadt und zum Glück erscheint sie sauberer und gepflegter als Kunming. Vielleicht liegt das zwar auch daran, dass es heute ab und zu regnet, aber auf jeden Fall sind wir froh, nun hier zu sein. Wir wohnen im Lakeside Inn, einem sehr hübschen Gästehaus mit nur drei Zimmern direkt neben dem See mit seinen hübschen Pagoden.

Aufgrund des unbeständigen Wetters entschliessen wir uns kurz nach unserer Ankunft, mit dem Bus zur berühmten Schilfrohrflötenhöhle zu fahren. Das geht soweit ganz gut, ausser dass sich immer mehr Menschen in den Bus drängen und als dieser eine Vollbremsung macht, die ganze Menschenmasse und auch wir unseren Halt verlieren und uns nur mit viel Glück nicht verletzen. Der Bus ist superbillig, 1 Yuan im Gegensatz zu etwa 30 Yuan die das Taxi für diese Strecke kosten würde. Wir wissen bereits, dass man in Guilin aufpassen muss – die 13 Millionen Touristen die pro Jahr herkommen, haben nicht nur Gutes angerichtet, und so sind viele Leute zu regelrechten Touristenjägern geworden, und am Schluss unseres Aufenthaltes werden wir die Einladung zur Fahrt mit dem traditionellen Bambus-Boot nicht mehr hören können…
Doch nun wandern wir zur Schilfrohrflötenhöhle hinauf, es regnet ab und zu, ist aber immer noch sehr heiss. Zum Rundgang in der Höhle wird man einer Führung zugeteilt, damit man keinen Schaden anrichtet (ja, es gibt tatsächlich Leute, die Tropfsteine abbrechen und als Souvenir mitnehmen oder verkaufen…!!). Die Höhle ist der Wahn, riesengross, mit verschiedenen Seen und einem Bach, und mit einer Beleuchtung inszeniert, die für die einen vielleicht kitschig wirken mag, in Natura aber wirklich sehr gut aussieht.
Am nächsten Tag werden wir wieder von einem Alex im Gästehaus abgeholt und fahren mit dem Minibus etwa 30 Minuten bis zur Schiffsstation, von wo aus wir nun unsere Schifffahrt auf dem wunderschönen Li-Fluss starten werden. Der Zirkus hier ist unglaublich – bis zu 150 Schiffe legen die Strecke bis Yangshou pro Tag zurück, jedes Schiff fast rund 150 Touristen! Hier sehen wir das erste mal relativ viele Touristenbusse und Gruppen, wobei es sich aber immer noch recht gut verteilt und uns zum Glück nicht weiter stört. Wir haben das Schiff Nr. 3, und dürfen im oberen Stock zuvorderst Platz nehmen. Nach der Abfahrt kann man sich auch auf dem offenen Oberdeck aufhalten um rundherum zu fotografieren. Die Fahrt und die Landschaft sind atemberaubend, es gibt nichts Vergleichbares und ist nur verständlich, dass es so viele Touristen anzieht. Der Li-River schlängelt sich in unzähligen Kurven durch die spektakuläre Karstlandschaft, überall sieht man wieder Fischerdörfer und Inselchen, auf denen Wasserbüffel weiden, tausende Bambusschiffe tuckern den Flussabwärts, und wir mit ihnen. Ganz eigenartig ist die Fahrweise, obwohl es jetzt viel Wasser hat, müssen sich die Schiffe trotzdem den Weg zwischen den Sandbänken und sonstigen Hindernissen suchen, und fahren oft ganz lustig im Zickzack den Fluss hinab. Zwischen Yangdi und Xingping kommt die schönste Strecke, und unsere Kamera läuft langsam heiss. Wir fahren an Xingping vorbei bis nach Yangshou, obwohl wir später hier übernachten werden, doch Yangshou möchten wir auch gerne noch sehen und die Flussfahrt auch im Ganzen erleben, obwohl sie nach Xingping nicht mehr so spannend ist.
Yangshou ist eine weitere Touristenhochburg – früher einmal Lonely-Planet Geheimtipp, ist die 300 Meter lange Fussgängerzone heute völlig überlaufen und wir sind froh, bald das Gewühl hinter uns zu haben. Mit dem Minibus, der übrigens auch unser schweres Gepäck transportiert hat, fahren wir nun rund 40 Minuten bis nach Xingping, immer noch durch tolle Landschaft. Xingping ist heute der Geheimtipp, wenn man noch etwas Ursprünglichkeit sucht. Zwar halten tagsüber auch Miriaden von Touristen hier an, doch die sind auch schnell wieder weg und es kehrt bald Ruhe ein. Interessant ist, das Xingping eigentlich die älteste Stadt der Region ist und vor allen anderen ihre Blütezeit erlebte. Man kann noch viele alte Häuser aus vergangenen Dynastien sehen und trifft hier auf das echte Leben.
Ganz toll ist die Wanderung, die wir am nächsten Tag unternehmen. Entlang des Flusses gelangen wir durch ganz ursprüngliche Bauerndörfer und können den Menschen bei der Arbeit zusehen. Wir sind überrascht, wie wenig Reisfelder wir eigentlich bis jetzt gesehen haben. Auch hier wird mehr Mais als Reis gepflanzt, und der Boden auch sonst ganz abwechslungsreich bewirtschaftet. Keine riesen Monowirtschaft, nein kleine Felder mit allerlei Früchten und Gemüsen bepflanzt.
In der Nähe von Xingping betreiben lokale kleine Restaurants, genau das Richtige, um uns auf unserer Wanderung zu stärken! Tatsächlich bekommen wir ein sehr feines Essen auf der Bambusterrasse über dem Li-River und sehen den Booten zu, die den Fluss hinuntertreiben.
Wir wohnen in der Jugendherberge in Xingping und haben dort ein Privatzimmer mit Balkon und Aussicht auf den Fluss und die Karstberge. Die Leute hier am Fluss sind wieder ganz anders als in anderen Teilen Chinas, irgendwie langsamer, aber natürlich auch weit weg von der nächsten Stadt und daher weniger technologisiert. Es dauert manchmal etwas lange, bis man etwas erklärt hat, und so ist es auch sehr kompliziert, unsere Rückfahrt nach Guilin zu organisieren. Schliesslich ist doch noch alles klar und ein Minibus fährt uns während rund 2.5 Stunden zurück in die Stadt, wo wir freundlicherweise unser Gepäck wieder beim Lakeside Inn einstellen dürfen.
Die Zeit bis zur Abfahrt unseres Zuges Richtung Hong Kong vertreiben wir im Seven Star Park, einem der ältesten Parks Chinas mit hübschen Anlagen wie Wasserfällen und Springbrunnen, aber auch eine Höhle und ein Karstberg in Kamelform gehören dazu. Der Zoo ist dem Zerfall preisgegeben und die Tiere siechen regelrecht dahin, ein trauriger Anblick den wir bisher jetzt gar nicht so gewohnt waren.
Ich habe noch vergessen zu sagen, dass seit der letzten Nacht in Xingping unser Sohn Sascha Probleme machte. Er bekam starken Durchfall, was dem Kleinen schnell jegliche Kraft nahm, und weinte fast die halbe Nacht. Tagsüber in Guilin ging es wieder einigermassen, doch unser Zug fuhr erst um halb Zehn, und es war sehr schwierig, ihn solange zu beruhigen… Wir waren deshalb sehr froh, als wir im Zug sassen, und die Kinder zum Schlafen bringen konnten….