Um nach Hong Kong zu gelangen, muss man aus China ausreisen und offizielle Zollformalitäten vornehmen, die wieder einmal eine Menge Zeit in Anspruch nehmen. Wir gelangen über Shenzen nach Hong Kong, und müssen dazu den Zug verlassen und danach mit einer Metro bis zum Stadtzentrum weiterfahren. 

Der Kulturschock könnte grösser nicht sein – urplötzlich sind wir nicht mehr in China, geografisch zwar schon und seit ein paar Jahren eigentlich auch politisch, doch vom Auge und all den Verboten her ist Hong Kong von London kaum zu unterscheiden! 

Da es Anja nicht so gut geht und sie im Zug ständig erbrechen musste, sind wir ja noch ganz froh, in einer „europäischen „ Welt zu sein, doch ehrlich gesagt frage ich mich schon bald, ob das wirklich besser ist… Ganz im Gegensatz zu den modernen chinesischen Städten sieht Hong Kong wie ein Relikt vergangener Zeiten aus, eine Stadt, die vielleicht in den 80er Jahren den grössten Glanz erlebt und mittlerweile hinter sich gelassen hat. Eine Stadt, deren Lack überall abgekratzt ist. 
Ganz gut gelangen wir mit der Metro bis zu unserem Hotel in Kowloon. Wir wohnen im YMCA direkt am Victoria Harbour und haben eine wunderbare Sicht auf die ganze Skyline. Jeden abend um 8 Uhr findet eine Lichtshow statt, und die Wolkenkratzer senden verschiedene Laser- und Leuchtsignale. Auch das hatte ich mir noch ein wenig spektakulärer vorgestellt, wie sich auch bei unserem weiteren Aufenthalt herausstellt, hatte ich von Hong Kong ganz einfach zu viel erwartet. Ich hatte gedacht, die Stadt müsse alles bisherige übertreffen, doch das war weit gefehlt und wir hätten diese Destination wohl eher am Anfang der Reise besuchen sollen. Nicht zu vergessen dass wir nicht gerade bester Laune sind, weil Anja die ganze Zeit erbrechen muss und es auch noch extrem heiss und schwül ist….

Die berühmte Nathan Road, Goldene Meile der Stadt, besteht nur aus Markenartikelshops in denen wir nichts verloren haben. Einzige eine richtige Bäckerei vermag uns ein wenig zu begeistern. Die Star Ferry, die die Passagiere nach Hong Kong City bringt, sieht man ihre 100 Jahre auch aus weiter Ferne an und für das Tram zum Peak blättert man ein Vermögen hin. Überhaupt ist in Hong Kong alles 10 x so teuer wie im Resten China, und man bekommt trotzdem nicht mehr fürs Geld.
Auf dem Peak haben wir durchzogenes Wetter, doch der Bericht für die nächsten Tage ist noch schlechter. Mit dem Bus – einem Doppelstöcker wohlverstanden – fahren wir wieder vom Berg in 100 Kurven herunter. Mit einem anderen Bus – Taxis können wir uns hier keine mehr leisten, fahren wir eine lange Strecke bis nach Aberdeen, wo die Dschunken vor Anker liegen und die Leute auf den Schiffen wohnen. Hier ist auch der grosse Fischmarkt, der doch einen sehr sauberen Eindruck macht. Mit einer gratis Fähre lassen wir uns zum Floating-Restaurant bringen, einem Gebilde aus Pontons auf denen mehrere Prunkvolle Speiserestaurants erbaut wurden. 

Am nächsten Tag regnet es in Strömen und wir nutzen die Zeit. Um den Goldfisch Markt zu besuchen und ein wenig shoppen zu gehen. Endlich finde ich doch noch einen Markt der mir gefällt und ich kaufe nach Herzenslust ein. Kaum zurück im Hotel, geht es mir und Anja gar nicht mehr gut. Wir haben Bauchschmerzen, die nicht zum Aushalten sind, und alle unsere Medikamente nützen nichts. Beide erbrechen die ganze Zeit und es ist uns elend zu mute. So elend, dass ich am Schluss den Doktor rufen lasse, der für ein Vermögen von rund 700.- CHF uns im Hotel aufsucht und mit antibiotika versorgt. Ich bekomme noch eine menge weiterer Medikamente und es ist wieder einmal eigenartig zu sehen, dass unsere Heimapotheke oft im Ausland einfach wirkungslos ist!!! Nach Hongkongnesischer Rezeptur genesen wir relativ rasch wieder und können die weitere Reise – die in grosser Gefahr war, planmässig antreten.